Thuner Tagblatt Bericht

«Ich entscheide mit dem Herzen» - trotz Starbucks Konkurrenz

Kira Heer expandiert nach Interlaken – mit Geduld und Überzeugung

Die Thuner Kaffeerösterin Kira Heer wagt den Schritt nach Interlaken – obwohl dort bald Starbucks eröffnet. Sie setzt auf Geduld:

«Ich gebe mir drei bis fünf Jahre, bis sich der Erfolg einstellt.»

Ein Café mit Geschichte – seit zwölf Jahren in Thun

Im Café der Rösterei Heer an der Frutigenstrasse 5 in Thun ist es kurz nach der Öffnung um 9 Uhr bereits geschäftig.

«Wir sind sehr glücklich darüber, wie es läuft», sagt Kira Heer. Mit ihrem Team ist sie ins zwölfte Jahr gestartet – und blickt gerne auf die Anfänge zurück.

«Es war ein Freundschaftsprojekt», erinnert sich die studierte Geografin aus dem Allgäu. Besonders denkt sie an ihre Grossmutter, die 1950 als erste und einzige Frau professionell für grosse Kaffeehäuser in Hamburg Kaffee verkostete.

«Das Startkapital nach dem Studium für meine erste Röstmaschine kam von ihr.»

Kaffee sei ihr sprichwörtlich in die Wiege gelegt worden – und habe sie nie mehr losgelassen.

Direkter Kontakt ist «unheimlich wichtig»

Bis heute ist ihr der direkte Kontakt zu Kundinnen und Kunden «unheimlich wichtig».

In den Anfangsjahren entstand dieser durch Touren mit einem Kleintransporter – einem Renault Estafette aus den frühen 70er-Jahren. Zum Kaffeemobil umgebaut, mit Siebträgermaschine, Mühlen und Geschirr ausgestattet, tingelte er von Markt zu Markt und versprühte französischen Charme auf vier Rädern – begleitet vom Duft frisch gerösteten Kaffees.

2014 entdeckte Kira Heer durch Zufall die Räumlichkeiten an der Frutigenstrasse in Thun. Aus dem Laden mit Familienwohnung entstand das Rösterei-Heer-Café.

Die ganze Familie packte mit an – zu Beginn arbeitete auch ihre Schwiegermutter mit.

Heute beschäftigt das Unternehmen rund 20 Mitarbeitende.

«Alle sind loyal und stehen füreinander ein.»

Fairer Handel als Herzensanliegen

Ein zentrales Anliegen von Kira Heer ist fair gehandelter und biologischer Kaffee.

Seit Jahren besucht sie Produzenten vor Ort, bewegt sich auf deren Plantagen und hat sich ein tiefes Verständnis für Anbau, Ernte, Aufbereitung und faire Preise angeeignet.

Der direkte Austausch mit den Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern ist ihr besonders wichtig – ebenso wie die Gewissheit:

«Sie sollen einen anständigen Lohn erhalten.»

Die Sensibilisierung für fairen Handel und globale Zusammenhänge entstand bereits während ihres Studiums in Deutschland.

Wachstum in Uttigen

Der Erfolg der letzten zwölf Jahre zeigt sich auch im Ausbau der Rösterei in Uttigen.

Vor fünf Jahren konnte eine Erweiterung realisiert und eine grössere Röstmaschine angeschafft werden. Heute röstet das vierköpfige Team monatlich rund 2000 Kilogramm Kaffee.

Qualität zahle sich aus, sagt Heer. Die Nachfrage wachse stetig – und aus Gästen würden treue Stammkundinnen und Stammkunden.

«Ja, genau so war es auch in Thun, wo unser Café langsam, aber stetig gewachsen ist.»

Dasselbe Konzept in Interlaken

Dieses Konzept verfolgt sie nun auch in Interlaken. Seit letztem Sommer führt das Team ein 30-plätziges Café an der Rosenstrasse 7.

Das Lokal – früher das Pub «Crazy Mary» – entdeckte sie zufällig bei einem Spaziergang mit dem Hund.

«Es war ein Bauchgefühl, das mir sagte, hier sei der richtige Platz für ein Café und der richtige Ort für einen Treffpunkt der Einheimischen und Kaffeebegeisterten.»

Mit Familie, Freunden und viel Herzblut entstand das Café in Eigenregie.

«Jeder Winkel erzählt von unserer Leidenschaft für Kaffee, Ästhetik und Atmosphäre.»

Ziel ist klar:

«Wir möchten in Interlaken einen ‹Place-to-be› schaffen – einen Wohlfühlort, an dem man ankommt, geniesst und gerne bleibt. Ein Zuhause für Kaffeeliebhaber und alle, die eine Auszeit vom Alltag suchen.»

Geduld als Erfolgsfaktor

Geduld sei entscheidend beim Aufbau eines Geschäfts.

«In Thun sind wir auch stetig gewachsen, und ich gebe mir für das Interlakner Café circa drei bis fünf Jahre, bis sich der Erfolg einstellt.»

Vertrauen gewinne man nur mit echter Leidenschaft, Qualitätsbewusstsein und Authentizität.

Konkurrenz durch Starbucks?

«Nein, Bauchschmerzen habe ich keine», sagt Kira Heer zur Konkurrenz durch das US-amerikanische Kaffeehaus-Unternehmen Starbucks. Dieses betreibt seit 2025 eine Filiale in Thun und wird im kommenden Frühling auch in Interlaken eröffnen – jeweils in unmittelbarer Nähe zu ihren Cafés.

Die Konzepte seien nicht vergleichbar.

«Ich setze den Fokus auf unser eigenes Handwerk, unsere Philosophie und unsere eigene Entwicklung in Interlaken.»

Sie hoffe, mit Qualität und Gästeerlebnis das Vertrauen der Kundschaft zu gewinnen – ohne Kompromisse.

«Ich entscheide mit dem Herzen und aus Überzeugung und glaube fest daran, dass es funktioniert.»

Denn ihre Cafés seien Orte, an denen es nach mehr rieche als nur nach Kaffee.

Starbucks: «Gemütlichkeit und echte Begegnungen»

Auch Starbucks betont sein Konzept: handgemachte Kaffeespezialitäten, persönlicher Service und echte Begegnungen.

Laut der PR-Zentrale in Österreich setze das Unternehmen auf Gemütlichkeit und eine entspannte Atmosphäre – auch am neuen Standort in Interlaken.

Text: Hans Urfer

Fotos: Hans Urfer & Christian Pfander

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